Unsere Projekte im Sozialen Gartenbau.

Sozialer Gartenbau. Dafür setzen wir uns seit 2019 ein. 


In der Vergangenheit konnten wir bereits erfolgreich ein Projekt in Kapstadt und eins in Ruhpolding umsetzen. Jetzt haben wir auch unser drittes Projekt in Sri Lanka erfolgreich abgeschlossen.

Erlebnisort für Kinder mit Einschränkungen in Sri Lanka


Telwatta, 2022

Sri Lanka 2022

 

 

 

Es ist vollbracht! Unser zweites großes Auslandsprojekt in Sri Lanka ist abgeschlossen und hat sich der Aufgabe angenommen, viel Freude zu schenken.

Über den Weg dorthin möchte ich hier gerne berichten.

 

Vor der Idee, wohin es gehen soll und was wir dort tun werden, stand erstmal eine noch viel grundsätzlichere Entscheidung: können wir ein solches Projekt in Zeiten von Corona überhaupt sinnvoll planen und stemmen?

Schnell wurde uns klar, dass wir das natürlich versuchen werden. Gerade in diesen Zeiten schien es uns wichtig, Menschen Hoffnungen und Lichtblicke zu geben. Diese gedankliche Hürde war also schnell genommen. Die Recherche und Planungen konnten beginnen.

 

Wie wohl die meisten Länder, wurde auch Sri Lanka von zwei heftigen Corona-Wellen getroffen. Wir hätten das nächste Projekt also eigentlich in jedem Land dieser Erde durchführen können. Warum dann also ausgerechnet Sri Lanka?

 

Das hängt maßgeblich damit zusammen, dass ich schon einige Projekte in diesem schönen Land betreut habe und wir dadurch wertvolle Kontakte nutzen konnten.

Ein passendes Projekt war schnell gefunden. Das Manacare Center in Telwatta, das sich um Menschen kümmert, die durch staatliche und manchmal auch gesellschaftliche Hilfsstrukturen fallen. Es sind Menschen, die entweder vom System übersehen, vergessen oder unzureichend aufgefangen werden. Manacare nimmt sich ihrer an und bietet ihnen einen Ort, an dem sie sicher sind und lernen können. Einige kommen hier nur vorübergehend her,  andere bleiben länger. Ein paar wurden sogar hier geboren.

 

Durch den massiven Einbruch der internationalen Spenden an diese Organisation durch die Pandemie, mussten deren Programme auf ein Minimum herunter gefahren werden. Als wir dort anfragten, ob Interesse an unserer Unterstützung bestünde, war die Resonanz fast überwältigend.  Es war, als hätte diese Organisation seit langem auf einen solchen Lichtblick gewartet. Schnell war klar, welchen Bedarf sie akut und auch für die längere Zukunft hatte. Einiges davon lag im Bereich unserer Möglichkeiten und Kompetenzen.

 

Parallel zur Vereinsgründung machten wir uns also an die Planung der einzelnen Projektabschnitte.

 

Es begann sich herauszustellen, dass unsere Anfangsidee des Social Landscaping noch ein paar weitere Schliffe bekommen durfte. Wie wohl in der Anfangsphase der meisten Organisationen, gibt es auch bei uns noch viel auszuprobieren. So stellt sich vor allem die Organisation der Arbeiten aus der Ferne im Vorfeld noch als recht anstrengend und aufwendig dar. Mit jedem Projekt lernen wir hier viel dazu und entwickeln uns sehr schnell weiter.

Es wird auch immer klarer, was wir leisten können und was noch nicht. So sehen wir uns als diejenigen, die den Anstoß für eine bevorstehende Entwicklung der Organisation und ihrer Mitglieder, für die wir arbeiten, geben, um weitere interne Entwicklungen zu ermöglichen. Damit sind noch nicht alle Herausforderungen vor Ort gelöst. 

Mit diesem Anspruch werden unsere eigenen Erfolge schnell sichtbar. Auch in Sri Lanka haben wir viele Menschen angezogen, berührt und bewegt. Wir haben Hoffnung gebracht und viele Erfahrungen, Freundschaften und Dankbarkeit mit nachhause genommen.

 

Das Projekt Telwatta setzt sich eigentlich aus zwei Teilen zusammen:

-       Instandsetzung vorhandener Strukturen und Bauwerke

-       Neubau und Weiterentwicklung der Anlage

 

Wir stellen uns bei jedem Projekt die Frage, wo wir den größten Hebel haben. In diesem Fall bestand er auch darin, Dinge, die schon vorhanden waren, zu nutzen und wieder zu aktivieren. So haben wir zwei Swimmingpools, die für Schwimmunterricht genutzt werden, wieder instand gesetzt und ihnen somit neues Leben eingehaucht.

 

Zudem war die Bühne, die wohl der einzige Platz im ganzen Ort ist, an dem sich Menschen in Tanz, Theater und anderen Ausdrucksformen, zeigen können, stark herunter gekommen und, dank fehlender Mittel, dem Verfall preisgegeben.

Wir haben die Bühne aber nicht nur renovieren lassen, sondern sie, durch den Bau von mehreren Hochbeeten und die Entwicklung des dahinter liegenden Geländes, in den Mittelpunkt des Geländes gerückt. Sie hat dadurch, und auch durch den Bau fester Sitzplätze für die Zuschauer, sehr an Attraktivität gewonnen. Jetzt ist daraus wirklich ein Ort geworden, an dem man sich zum Ausdruck bringen kann. Ein Ort für persönliches Wachstum.

Statt durch Betonschutt, Müll und Unkraut, betreten die Schauspieler, Sänger und Poeten die Bühne jetzt von hinten durch ein Meer von duftenden Blüten. Was muss das für einen Unterschied machen für Menschen, die sich vor ihrer Community präsentieren....

 

Die neu errichtete Mauer auf einer Seite der Bühne schützt nicht nur vor Sonne und Wind, sie dient auf ihrer Rückseite auch als Kletterwand. Hier können sich vor allem Kinder ausprobieren, ihre körperlichen Grenzen gefahrlos erkunden und ihre Welt aus einer neuen Perspektive sehen. Für viele, die in ihrem Alltag wenig neue, positive Herausforderungen kennen, ist schon der Versuch, etwas Unbekanntes auszuprobieren, ein großer Entwicklungsschritt. Es mag für uns nicht so besonders wirken an einer Wand mit ein paar bunten Griffen zwei Meter über dem Boden zu klettern. Für Menschen, die tagtäglich mehr oder weniger das gleiche tun, ihr Dorf nur sehr selten verlassen und deren Möglichkeiten, diesen Kosmos zu verlassen auch sehr gering sind, kann das wie eine Reise in eine andere Welt sein.

 

In diesem Beispiel wird das Potential und die Kraft von Social Landscaping sicht- und spürbar. Hier ist viel Gespür gefragt. Kommen wir mit unseren deutschen Ansprüchen an Veränderung in ein solches Projekt, muss es fast zwangsläufig scheitern. Von außen mag es vielleicht manchmal nach sehr kleinen Maßnahmen aussehen, die wir in unseren Projekten realisieren. Für die Menschen vor Ort ist es oft schon an der Grenze des für sie fass- und erfahrbaren. 

Eine der wichtigsten Aufgaben ist für uns, die Grenze zwischen Herausforderung und Überforderung der Menschen, die von unserer Arbeit profitieren, herauszufinden und zu respektieren. Da braucht es ein hohes Maß an Achtsamkeit und Sensibilität bei der Planung und Ausführung. Und wir stellen fest, dass sich unsere Teams erstaunlich schnell auf die Ansprüche, Wünsche und Lebenssituationen der Menschen vor Ort einstellen können. 

Es finden Dinge und Austausch statt, der weder planbar noch vor Projektstart wirklich vorstellbar scheint. Es ist auch nicht immer klar, wer eigentlich die Hauptprofiteure unserer Projekte sind. Es fühlt sich so an, als würde sich das, was wir lernen und erfahren dürfen, mit dem, wie die Menschen, für die wir planen und bauen, davon profitieren, ziemlich die Waage halten.

Dank unseren Unterschieden in Herkunft, Erfahrung, Lebensmodellen und Umfeld und unseren Gemeinsamkeiten mit den Menschen vor Ort entsteht sehr schnell eine ganz besondere Energie, die man nur wirklich begreifen und fühlen kann, wenn man selbst Teil davon ist oder war. Sie lässt sich für mich mit nichts vergleichen, was ich bis jetzt kennen gelernt habe. Diese Energie gibt uns die Kraft und die Freude, unseren Weg immer weiter zu gehen und bei jedem Schritt zu lernen.

 

In dieser Haltung haben wir in Telwatta auch einige Dinge komplett neu gebaut.

Da es auf dem Gelände einige Menschen gibt, die nicht mehr oder noch nie laufen konnten, haben wir einige Wege so befestigt, dass sie sich darauf problemlos fortbewegen können. Für uns in Deutschland ist Barrierefreiheit mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. In einem Land, in dem nicht sichergestellt ist, ob es immer Strom und Gas, Baumaterial oder auch genug Nahrungsmittel für alle gibt, sieht das anders aus. Da kommt Barrierefreiheit wahrscheinlich an Stelle 398 auf der Liste der anzugehenden Aufgaben der Regierung und Gesellschaft. 

Wir konnten also auch für diese Menschen eine kleine Insel der Unbeschwertheit schaffen. Unser Anspruch wäre natürlich auch hier, das ganze Gelände so zu entwickeln, dass sie sich wirklich frei bewegen können. Mit dem was wir leisten konnten, ist ein guter Teil geschafft, der den Verhältnissen auch besser entspricht als die ganze Anlage mit betonierten Wegen zu durchziehen und somit auch einen neuen Standard zu schaffen, der die Betroffenen in der „echten“ Welt da draußen ggf. nicht glücklicher macht.

 

Für die Kinder und Jugendlichen, die sich weitestgehend normal bewegen können, haben wir ein weiteres Fenster in eine unbekannte Welt geöffnet. Wir lassen sie fliegen!

Für Menschen, die auf einer Insel wohnen, die nur mit einem Flugzeug verlassen werden kann, dessen Ticket für die meisten ihr Leben lang unerschwinglich sein wird, muss es ein ganz besonderes Gefühl sein, jederzeit durch die Luft gleiten zu können. 

Dazu haben wir eine Seilbahn installiert, mit der man quer über das Gelände fahren kann. Wir haben sie so platziert, dass sie gut einsehbar ist und geben damit den Müttern der Kinder, die hier teilweise arbeiten, ein Gefühl der Sicherheit und Kontrolle. Sie können die Aktivitäten ihrer Kinder, sowohl an der Seilbahn, als auch an der Kletterwand, jederzeit von ihrem Arbeitsplatz aus beobachten.

 

Der Hauptwunsch von Manacare war, dass wir viel pflanzen. Die Gründerin Joy hatte, aus England stammend, die fixe Idee, das Gelände mit duftenden Pflanzen „zu überziehen“, um vor allem den blinden Kindern zusätzliche, positive Sinnesreize zu geben. In tropischen Ländern gibt es dank Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit und einem völlig anderen Verständnis von Müllentsorgung und Luftverschmutzung, viele Gerüche, die weniger angenehm sind. Unsere Aufgabe war es, an dieser Konditionierung etwas zu ändern. Mit Düften, die das Herz erfreuen.

Hier durften wir lernen: in einem Land, das in einer pflanzlichen Überfülle ist, weil es für viele Pflanzen die perfekten Lebensbedingungen bietet, scheint Blütenduft kein größerer Evolutionsvorteil zu sein. Und so konnten wir kaum duftende Pflanzen finden. Wir sind in Baumschulen, Staudengärtnereien und einen der größten Botanischen Gärten Asiens gefahren um die passende Pflanzenauswahl zu treffen. Dabei konnten wir zwar die tollsten Gewächse bewundern, duftende Blüten waren aber kaum dabei. In der Bergregion Sri Lankas sieht es da etwas besser aus. Im Süden, an der Küste wo wir unser Projekt hatten, können diese Pflanzen aber nicht gut wachsen.

So haben wir die Situation akzeptiert wie sie war und uns statt dessen auf einen zweiten wichtigen Aspekt, den Pflanzen liefern können, konzentriert. Schatten.

 

In Sri Lanka gibt es keine Jahreszeiten wie bei uns. Es gibt dafür eine Regenzeit und eine Nicht-Regenzeit. Heiß ist es meistens. So nahe am Äquator hat die Sonne auch ganzjährig einen hohen Stand und brennt oft unerbittlich auf die Erde.

Dann ist es nur im Schatten auszuhalten.

Ein vorhandener Spielplatz lag mitten in dieser Sonne und hatte eigentlich nur ganz am Morgen und abends etwas Schatten. Genau in den Zeiten, in denen die Kinder nicht zum spielen kommen konnten.

Diesen Bereich haben wir mit Drahtseilen überspannt, um die Struktur für ein „grünes Dach“ zu schaffen. Von zwei Seiten können jetzt Kletterpflanzen nach oben ranken und die Kinder bekommen die idealen Spielbedingungen. 

 

An diesem Beispiel wurde uns wieder sehr klar deutlich, mit wie wenig Aufwand ein großer Nutzen entstehen kann. Und hier wurde auch das Potential von Social Landscaping sichtbar: rein technisch wäre es für die Menschen vor Ort keine große Herausforderung gewesen, die Seile selbst zu spannen und die Pflanzen einzusetzen. Das Wissen und Können sind da. Was fehlt ist die neue Perspektive. Genau wie wir, gewöhnen sich die Menschen an die Zustände, glauben nicht daran, dass sie etwas daran ändern können oder wissen nicht, wie sie es angehen können. Hier kommt die Idee von Social Landscaping voll zur Entfaltung.

 

Wir kommen aus unserer Lebenswirklichkeit dort hin und sehen sofort Dinge, die, zumindest aus unserer Sicht, leicht und nachhaltig optimiert werden können. Hier ist dann wieder Achtsamkeit gefragt. Achtsamkeiten gegenüber den Wahrheiten der Menschen vor Ort. Achtsamkeit darüber, ihnen nicht etwas „überstülpen“ zu wollen, wofür es aus deren Sicht gar keinen Bedarf gibt. Das wäre weder respektvoll noch nachhaltig. Die Menschen wollen immer einbezogen und gefragt werden, wenn etwas in ihrer Umwelt verändert wird. 

 

Unser zweites Auslandsprojekt in Sri Lanka hat sowohl die Menschen dort als auch uns als Verein und jeden Einzelnen persönlich, ein großes Stück weiter gebracht. Es war ein wichtiger Schritt auf unserem Weg zu mehr Social Landscaping.

 

 

Wir bedanken uns bei allen Unterstützern, die unseren Einsatz erst möglich gemacht haben. Wir arbeiten bereits an den nächsten Projekten für Social Landscaping.

 

Die Social Landscaping Mannschaft 2022 Sri Lanka

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Heilpädagogischer Barfußweg.


HPZ Ruhpolding, 2020

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Sinnvolle liegt so nah? Darauf gibt es viele Antworten. Eine ist jedoch: was im Ausland ausgezeichnet funktioniert, sollte bei uns mindestens genauso gut machbar sein. 

So war es für uns selbstverständlich, die Anfrage des Heilpädagogischen Zentrums aus Ruhpolding anzunehmen und dort für die rund 100 Kinder, mit zum Teil starken körperlichen und geistigen Einschränkungen, den gewünschten Barfußweg zu planen. Wir wollen den Beweis erbringen, dass es überall auf der Welt ähnliche Herausforderungen gibt, die wir angehen können.  



















Ein Ort für Training und Entspannung.


Kapstadt, 2019

Das Angebot von Amandla an die Kinder und Jugendlichen in den Townships Südafrikas basiert auf dem Teamsport Fußball. Durch ihn können viele Werte wie Respekt, Pünktlichkeit, Fairness usw. spielerisch vermittelt werden. Ein Spiel kann nur als Team gewonnen werden. Der Einzelne muss sich eingliedern und manchmal auch unterordnen um dieses Ziel erreichen zu können. Um das pädagogische Potential weiter ausbauen zu können, wünscht sich Amandla einen Bereich abseits des Fußballfeldes aber in unmittelbarer Nähe zum Safehub, auf dem entsprechende "Wertevermittlungseinheiten" in kleinen Gruppen und im Schutz des Safehubs durchgeführt werden können.

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